PCO Syndrom
Allgemein Gesundheit

PCO Syndrom – wenn die Hormone Achterbahn fahren

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9. August 2020

Heute möchte ich euch von einem Syndrom berichten, wovon nur wenige Menschen unserer Gesellschaft wissen, jedoch viele Frauen betroffen sind. Mir liegt es sehr am Herzen darüber aufzuklären, da ich mir selbst auch eine viel bessere Aufklärung vor vielen Jahren gewünscht hätte.

Vielleicht habt ihr schon einmal vom sogenannten PCOS gehört – auch polyzystisches Ovarialsyndrom genannt. Hierbei handelt es sich um eine hormonelle Störung der Frau. Die Symptome sind von Mensch zu Mensch in Form und Ausprägung total unterschiedlich. Betroffen ist tatsächlich jede 5.-10. Frau im gebärfähigen Alter. Wahnsinn, oder?

Doch warum schenkt man einer Erkrankung so wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit? Das möchte ich heute ändern. Ich möchte Frauen animieren, ihre Symptome zu hinterfragen und sie in die richtige Richtung lenken. Denn auch viele Ärzte kennen diese Erkrankung nicht. Ich selbst weiß seit über 15 Jahren, dass ich am PCO Syndrom leide.

Welche Symptome gibt es beim PCO Syndrom?

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Symptomen. Manche Frauen leiden an sehr ausgeprägten Symptomen, manche nur an milden Kleinigkeiten. Alle Symptome betreffen den Hormonhaushalt und/ oder den Stoffwechsel.

Polyzystisches Ovarialsyndrom - die Symptome

Daher hier eine Liste der typischen Beschwerden:

Hormonhaushalt

  • Akne
  • Hyperandrogenämie (es kommen zu viele männliche Hormone im Körper vor)
  • polyzystische Ovarien (viele Follikel in den Eierstöcken, wenig Eisprünge)
  • Hirsutismus (vermehrte Behaarung nach männlichem Muster)
  • Haarausfall (teilweise sehr starker!)
  • deutlich verlängerte Menstruationszyklen ( 35-90 Tage oder gar über 0,5- 1 Jahr)

Stoffwechsel

  • (Prä-) Diabetes Mellitus
  • starke Gewichtszunahme (v.a. bauchbetontes Fett)
  • Fettstoffwechselstörung (z.B. hohes Cholesterin)
  • Bluthochdruck
  • Insulinresistenz (die Zellen reagieren nicht richtig auf das Blutzucker senkende Insulin)

Leider sind viele Symptome Bestandteil eines absoluten Teufelskreises. Denn die hohen Androgene, die z.B. für die Zyklusstörungen sorgen, werden gleichzeitig durch bauchbetontes Fett vermehrt produziert. Somit ist Gewichtsreduktion bei kräftigen Frauen das A und O.

Wichtig zu wissen ist, dass die Symptome unter Pillen Einnahme unterdrückt werden. Somit könnt ihr dies nur ohne hormonellen Einfluss feststellen (lassen).

Zyklusstörungen treten bei den meisten Frauen auf. Hierbei bleibt die Regelblutung zwischen 35 Tagen und mehreren Monaten aus. Es gibt aber auch anovulatorische Zyklen, wo der Eisprung ganz ausbleibt. In diesem Fall wäre man unfruchtbar.

Leidet man gleichzeitig an einer Insulinresistenz, sind die Rezeptoren der Zellen, die für die Zuckeraufnahme in den Zellen zuständig sind nicht mehr voll funktionsfähig. Hier kann ein Diabetes entstehen. Diese Frauen haben meist ein Gewichtsproblem (v.a. bauchbetontes Fett), welches das PCO deutlich verschlimmert. Leider ist es hier so, dass Frauen bis zu 10 mal schlechter abnehmen können als Gesunde.

Wodurch entsteht eigentlich das PCO Syndrom?

Leider ist die Ursache noch nicht vollständig erforscht. Man nimmt zum einen eine erbliche Veranlagung an, sowie der heutige Lifestyle mit wenig Bewegung, ungesunder (d.h. zuckerreicher und fettreicher) Ernährung und hormoneller Einwirkung von Außen.

PCO Syndrom Symptome

Wie kann man das PCO Syndrom diagnostizieren?

Meist fällt diese Störung tatsächlich erst bei Kinderwunsch auf oder wenn man auf hormonelle Verhütung verzichten möchte. Denn durch die Störung haben Frauen, wie oben beschrieben, seltener Eisprünge und sehr lange Zyklen. Diese nicht gesprungenen Follikel sammeln sich dann im Eierstock und können per Ultraschall gesehen werden.

Wichtig ist auch das richtige Verhältnis von weiblichen und männlichen Hormonen im Körper (auch gesunde Frauen haben männliche Hormone im Körper). Eine Erhöhung der Androgene, kann man in einer Blutuntersuchung feststellen lassen. Genauso auch die Insulinresistenz per HOMA Index und oralem Glukosetoleranztest.

In meinem Fall wurde es im Alter von 19 Jahren zufällig beim Gynäkologen durch eine Blutentnahme und ein Ultraschall festgestellt. Da ich auch unter ständigen Unterzuckerungen litt, war ich an einen Endokrinologen angebunden. Der Vorteil: je früher man es weiß, desto eher kann man entsprechende Maßnahmen einleiten, um die Symptome zu lindern.

Welche Therapie hilft wann?

Wichtig zu wissen ist, das PCO nicht heilbar ist.

Besteht kein Kinderwunsch ist wohl die Pille das Mittel der Wahl. Aber was, wenn man auf künstliche Hormone verzichten möchte oder sich ein Kind wünscht?

Es gibt spezielle Medikamente, die antiandrogen wirken. Man sollte unbedingt mit seinem Arzt besprechen, ob so etwas in Erwägung gezogen werden könnte. Hier handelt es sich z.B. um Spironolacton oder Flutamid oder sogar Kortison in niedrigen Dosen.

Leidet man zusätzlich an Diabetes oder an einer Insulinresistenz, könnte Metformin das Mittel der Wahl sein. Es wird off-Label-use bei PCO verwendet, unterstützt nachweislich die Zyklusregulation und wirkt ebenfalls antiandrogen. Ich selbst vertrage es leider absolut nicht und hatte deswegen schon massive gesundheitliche Beschwerden.

Am effektivsten ist womöglich eine Lebensstiländerung. Mit viel Sport, ausgewogener und gesunder Ernährung schafft man es den Zyklus zu regulieren. Aber auch in Sachen Ernährung bei PCO ist einiges zu beachten. Dazu in einem separaten Beitrag dann mehr.

Bei unerwünschtem Haarwuchs und Akne können auch lokal helfende Mittel benutzt werden. Hier wendet man sich am Besten an einen Hautarzt.

Psychische Belastungen

Woran vermutlich fast jede Frau mit PCO leidet, sind psychische Probleme. Sei es wegen des Äußeren (Haarwuchs/Haarausfall, Gewichtszunahme) oder der Zyklusstörungen und somit dem unerfüllter Kinderwunsch.

Hierbei ist es wichtig, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten. Sucht euch Selbsthilfegruppen, Gruppen in Facebook oder sprecht offen mit euren Mitmenschen darüber. Ihr werdet feststellen, dass ihr nicht die einzigen seid, die daran leiden. Ich kenne in meinem Umkreis sehr viele Personen, die an PCO in unterschiedlichen Ausprägungen leiden.

Kinderwunsch – was kann man tun?

Wichtig ist, dass ihr – wie oben schon erwähnt – euren Lebensstil hinterfragt und ggf. ändert. Wenn ihr an Gewichtsproblemen leidet, müsst ihr dies unbedingt angehen. Die Ernährung spielt eine unfassbar große Rolle, auch wenn es wirklich nicht einfach ist Kilos zu verlieren.

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Hierzu schreibe ich euch einen ausführlichen und persönlichen Erfahrungsbericht.

Leidet ihr auch am PCOS? Was sind eure Erfahrungen mit der Erkrankung? Berichtet gerne in den Kommentaren, wie ihr mit der Erkrankung umgeht.

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5 Comments
  1. Antworten

    Nele

    21. August 2020

    Liebe Michelle, danke für deinen informativen Artikel. Ich mich tatsächlich in einigen deiner Beschreibungen wieder erkannt. Ich nehme auch schon seit Jahren die Pille nicht mehr und habe seither extrem Haarausfall und vor allem Akne. Und auch zugenommen, obwohl das auch daran liegen kann, dass ich einfach kein Sport mag 🙂 Aber ich werde das auf jeden Fall mal im Auge behalten. Danke dir für die Infos.
    Liebe Grüße Nele

    • Antworten

      Michelle

      23. August 2020

      Hallo Nele,
      halte die Augen auf jeden Fall offen. Bei jeder Betroffenen sind die Symptome unterschiedlich ausgeprägt.
      Alles Gute für dich.
      Michelle

  2. Antworten

    Mareike

    12. September 2020

    Hallo Michelle,
    Ab wann kann man denn mit dem persönlichen Erfahrungsbericht von dem Ovularing rechnen?
    lg

    • Antworten

      Michelle

      3. November 2020

      Hallo Mareike,
      ich hatte schon versucht dir per Mail zu antworten, doch leider scheint etwas mit der Adresse nicht zu stimmen.
      Der Beitrag geht noch diese Woche online.
      Viele Grüße

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